Mi

13

Jul

2016

Experteninterview zu den anstehenden Tarifverhandlungen in der Zeitarbeit

rheinland relations interviewte Norbert Fuhrmann – Geschäftsführer der I.Q.Z Initiative Qualitätssiegel in der Zeitarbeit – zu den anstehenden tariflichen Änderungen ab 2017

 

rheinland relations

Herr Fuhrmann, die Gesetzesänderungen im AÜG sind von der Bundesregierung beschlossen und enthalten tarifliche Öffnungsklauseln für Ver- und Entleiher. Sind jetzt eine Flut von tariflichen Regelungen zu erwarten?

 

Norbert Fuhrmann 

Kunden der Zeitarbeit – die Entleiher – können tarifliche Regelungen zur Verlängerung der Einsatzzeiten mit ihren Tarifpartnern abschließen, die dann für tarifgebundene Unternehmen gelten. Nicht tarifgebundene Unternehmen können unter bestimmten Voraussetzungen die Einsatzzeit auf 24 Monate verlängern. Ob alle Branchen die Tariföffnung nutzen, ist ungewiss. Schließlich kann nach der  gesetzlich  definierten Obergrenze von 18 Monaten auch ein Mitarbeiter ausgetauscht werden. In Einsätzen, die eine längere Einarbeitung erfordern, ist es vorstellbar, die Tariföffnung zu nutzen.

 

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Wie sieht es bei den Zeitarbeitstarifpartnern aus?

 

Norbert Fuhrmann 

Das Gesetz  gibt den Tarifpartnern die Möglichkeit einer Verschiebung der Gleichstellung bei  Branchenzuschlagstarifen von 9 auf maximal 15 Monate.  In den 11 Branchen mit solchen Tarifen müssen die Tarifpartner die Werte, den Zeitpunkt der Gleichstellung und die Wege zur Gleichstellung definieren. Zusätzlich wird eventuell überlegt, ob weitere Branchenzuschlagstarife abgeschlossen werden können. Bei Branchen mit hohen Zuschlägen gibt es teilweise noch eine große Differenz bis zur Gleichstellung. Da ist eine Zuschlagstufe von 60 bis 70 % am Ende zur Gleichstellung möglich. Auch die Verteilung der 6 Stufen dürfte bei den Verbandstarifverträgen ein Thema sein. Beim tarifplus+ dürfte sich an der Stufenregelung kaum was ändern.

 

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Wenn 11 Branchenzuschlagstarife verhandelt werden müssen, dann bedeutet das viel Arbeit?

 

Norbert Fuhrmann 

Grundsätzlich ja. Es muss mit 4 Gewerkschaften einzeln verhandelt werden. Gleichzeitig laufen auch die allgemeinen Entgelttarifverträge und der Vertrag über die Lohnunter-grenze in der Zeitarbeit zum 31.12.2016 aus. Da steht ein ganzes Paket an Verhandlungen zum Ende 2016 an.

Durch die Erhöhung des allgemeinen Mindestlohns ab 01.01.2016 um 4 % ist im Osten der Verbandstarife Zeitarbeit  schon eine Erhöhung von mindestens 4 % vorgegeben.  Wenn die Lohnuntergrenze weiter definiert werden soll, dürfte die Erhöhung höher liegen. 

 

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Wird das Thema Ost/West - Gleichheit ein Thema sein?

 

Norbert Fuhrmann

Die Angleichung der Ost- an die Westtarife wird definitiv ein Thema werden, damit die Verbandstarife den Makel des „Billigtarifs“ endlich verlieren. Die Einheitlichkeit der Löhne West/Ost ist beim tarifplus+ Tarifvertrag schon seit Jahren gegeben. 

 

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Wann beginnen die Verhandlungen?

 

Norbert Fuhrmann

Die Verhandlungen werden wahrscheinlich im Oktober beginnen. Interessant wird sein, ob die bisher unterdurchschnittliche Lohnentwicklung in der Zeitarbeit weiter fortgesetzt werden kann. Die Mindestlohnerhöhung von 4 % als Durchschnittswert die letzten tariflichen Entwicklung, setzt auch hier Maßstäbe.

 

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Wir danken für das Gespräch.

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